15.11.2011
„SENAK im Fernsehen“
Am 15.11.2011 hatte die Seniorenakademie Hoyerswerda e. V. ihren letzten ganz großen Auftritt in diesem Jahr. Ziel war eine Studio-Tour durch den MDR Leipzig, genau Media City GmbH. Geführt wurden wir in zwei Gruppen, eine davon durch Herrn Hartmut Harkholtz, dem 1. Kameramann der Sendung „MDR aktuell“ am 15.11. um 19.30 Uhr. Die alten Gebäude des MDR entstanden 1908 – 1911 als Schlachthof, projektiert vom gleichen Architekten wie das Neue Rathaus von Leipzig. Nach der Wende im Jahre 1992 wurde dort der MDR gegründet. Er hat mittlerweile ca. 2000 Beschäftigte, davon 1400 Festangestellte und 600 Freiberufler. Das ganze Gelände ist ca. 160000 m2 groß. Ein neu erbautes Hochhaus mit 13 Etagen und einer Höhe von 65 m überragt alles. Auch ein Feuerlöschteich muss sein, um allen Normen gerecht zu werden.
Zuerst besuchten wir das Studio 2, in dem u. a. „Hier ab vier“ oder „Hauptsache gesund“ gedreht werden. Dieses Studio hat 73 Scheinwerfer, die automatisch je nach Sendung platziert werden. Man muss davon ausgehen, dass jeder Mitwirkende bei so einer Sendung mit 3 – 5 Strahlern angeleuchtet wird, um eine optimale Bildqualität zu erreichen. Dass so viel Beleuchtung viel kostet, ist wohl klar. Dass Scheinwerfer viel Wärme produzieren, ist natürlich. Um den Mitarbeitern eine angenehme Atmosphäre bei 24 °C zu schaffen, ist eine Kaltwasserkühlung an der Decke eingebaut, die die nach oben steigende erwärmte Luft abkühlt und sinken lässt. Gegenüber einer bekannten Klimaanlage oder Ventilatoren verläuft dieser Prozess total geräuschlos.
Wir besichtigten weiter den Raum vom „Riverboot“ und das Wetterstudio. Erschlagend und etwas ungewöhnlich erscheint dort die Farbe „knallgrün“ als Hintergrund. Mit Technik wird von den Meteorologen eine elektronische Grafik-Wetterkarte erstellt und eingespielt. Durch optische Täuschung werden Effekte erzielt, die eine ganz andere Größe der eigentlich kleinen Karte hervorbringt, uns aber angenehm groß und optimal auf dem Bildschirm erscheint.
Danach statteten wir einen Besuch in der Sachsenklinik ab – Wahnsinn wie eine richtige Station im Krankenhaus. Bei einer leichten Behandlung eines „Patienten“ werden Fingerfertigkeiten durch einen Arzt oder Anästhesisten den Schauspielern beigebracht. Größere Eingriffe bei Operationen werden in wirklichen Krankenhäusern gefilmt, manchmal nicht ganz einfach für die Kameraleute und damit „Nicht-Ärzte“. Diese Aufnahmen werden dann ganz geschickt in den Film eingefügt, so dass der Zuschauer davon nichts merkt. Wenn man diese tolle Kulisse sieht, soll es noch viele Folgen vom Team der Serie „In aller Freundschaft“ geben und weiterhin so gute Bedingungen für Dreharbeiten bieten. Wenn man bedenkt, dass eine Drehminute dieser Serie ca. 3000 € kostet, muss sich ja auch so eine Investition rentieren. Übrigens leistet der MDR mit 11,5 % Sendeanteil an der ARD schon einen beachtlichen Anteil.
Den Abschluss der Führung bot das Nachrichtenstudio für „MDR aktuell“, wo wir die Möglichkeit bekamen, mit Hilfe eines Teleprompters einmal „Nachrichten“ zu sprechen. Macht richtig Spaß und kann man jedem empfehlen. Hätten Sie gewusst, dass jeder Nachrichtensprecher Journalismus studiert haben muss, die Nachrichten wortwörtlich allein zusammenstellt und diese dann verlesen muss! Eine auswendige Wortwahl ist nicht zulässig, da aufgrund möglicher Wortverdrehungen Falschmeldungen entstehen könnten – und das darf niemals passieren!
Eine ganz wichtige Rolle bei allen Aufnahmen spielt die Maske. Viel Puder verhindert schwitzig-glänzende Gesichter oder unerwünschte Reflektionen.
Bemerkenswert, wie ein Schauspieler auf Körperbeherrschung ausgebildet ist. Eine Leiche spielen, soll ungemein schwer sein. Muskeln erschlaffen zu lassen, will gelernt sein. Auch heulende Schauspieler heulen wirklich und kriegen keine Zwiebel vorher unter die Nase gehalten – das würde auch gegen die Schauspielerehre gehen. Der Schauspieler dreht sich um, denkt an etwas ganz Schlimmes, hebt den Arm, wenn es soweit ist und gedreht werden kann und dann wird geheult!
Manchmal fragt man sich, warum so viel GEZ-Gebühren erhoben werden, aber ein Wunder ist es eigentlich nicht. Wenn man bedenkt, wie viel Leute und Technik an einer Fernsehproduktion beteiligt sind. Bei Zwiegesprächen in einer Talkshow sind 2 Kameras eingeschaltet und kommen je nach der sprechenden Seite abwechselnd zum Einsatz. Bei Filmaufnahmen läuft zwar nur eine Kamera, aber der Aufwand ist aufgrund von Drehwiederholungen bedeutend höher. Und wenn es der Fundus ist, wo Designer Kostüme entwerfen, maßschneidern lassen oder einkaufen und hier praktisch archivieren, damit sie auch mal wieder verwendet werden können. Es hat ja niemand ein vollständiges Sortiment und somit wird z. B. mit dem Filmstudio Potsdam-Babelsberg ausgetauscht.
Und wie geht es dem MDR in dieser Region, wo der demographische Wandel so groß ist und junge Leute wegen der Arbeit in die Alt-Bundesländer ziehen und damit hier die Gebühren nicht mehr fließen? Dazu kommt, dass es hier viel Hartz-IV-Empfänger gibt, die von den Gebühren befreit sind.
Kommen wir noch einmal zu einem interessanten Punkt: „Wie werden die Einschaltquoten gemessen?“ Es bekommen 5600 Haushalte aus unterschiedlichsten Schichten und Regionen ein Teil in den Fernseher eingebaut, der jeden Knopfdruck und Senderwechsel registriert. Dann wird eine Hochrechnung gemacht. Für den öffentlichen Rundfunk hat das nicht so eine Bedeutung, aber für den privaten, da sich dieser ausschließlich über Werbung finanziert. Nimmt die Einschaltquote ab, werden Werbungen zurückgezogen und auf Sendungen mit höheren Quoten verlegt. Das sind Einbußen, die dazu führen können, dass eine Sendung gestrichen werden muss. Eine Werbeminute ist eben wahnsinnig teuer.
Nun haben wir so viel über „Fernsehmacherei“ erfahren, sind äußerst angenehm beeindruckt und bekamen trotzdem den Hinweis, bei Programmbeschwerden die Tel.-Nr. 0341 3000 zu wählen oder bei sonstigen Fragen die 0341 35002500. Diese Nummern sind fast täglich bis 22.00 Uhr besetzt und man sollte bei speziellen Fragen den Tag, die Sendezeit und den Redakteur nennen können!
Nun war unsere offizielle Führung beendet, wir waren hungrig und konnten das gebuchte Tourmenü zu uns nehmen – lecker!
Unser Bus brachte uns nun zur Goethestraße des Stadtzentrums. Hier hatten wir 3 Stunden Zeit, um die Innenstadt zu erkunden – wie sich doch alles verändert hat, wenn man ein paar Jahre nicht da war!
Wir hatten zwar niedrige Temperaturen und „Waschküchenwetter“, aber wenigstens keinen Schneeregen und trotzdem einen wunderschönen interessanten Tag.
